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Mit dem Fahrrad durch Südamerika 2017-11-08T11:05:07+00:00

Mit dem Fahrrad durch Südamerika

Seit Dezember 2016 fährt der gebürtige Kasseler Lukas Stahl mit dem Fahrrad durch Südamerika. Seine Heimat auf Zeit ist nun die Straße. Rund 6000 km ist Lukas bereits durch Argentinien und Chile gestrampelt. So genau weiß er das allerdings nicht, denn er fährt ohne Tacho.

Nach Schule und Ausbildung drängte es den gelernten Koch dazu, etwas von der Welt zu sehen, andere Länder, Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Schnell war für ihn klar, dass sich das durch das langsame Reisen mit dem Fahrrad wunderbar kombinieren lässt. Immer mit im Gepäck: eine gute Ausrüstung und natürlich die BFO H2O Scheibenbremse. Für welches Fahrrad entscheidet man sich, wenn man durch Südamerika fährt? Wie plant man seine Strecke und was für Menschen trifft man unterwegs? Wir haben Lukas ausführlich zu seiner Reise und seinen bisherigen Erlebnissen interviewt.

BFO: Wie viele km bist du bisher gefahren?

Stahl: Insgesamt sind das bestimmt um die 6000, so genau kann ich das aber nicht sagen. Ich habe keinen Tacho dabei.

BFO: Du fährst ohne Tacho?

Stahl: Das ist richtig. Ich fahre ja kein Rennen sondern um mich und die Welt kennen zu lernen. Dabei ist das Fahrrad zwar mein Begleiter aber eben auch „nur“ mein Hilfsmittel, ich lasse mich davon also nicht bestimmen. Mir geht es ja nicht um Distanz. Auf dem Fahrrad ist man auf mehr Unterstützung angewiesen und die bekomme ich hier von ganz unterschiedlichen Menschen denen ich begegne.

BFO: Mit welchem Rad bist du unterwegs und was davon ist von BFO und warum?

Stahl: Bei einem solchen Vorhaben wollte ich was die Ausrüstung angeht keine Kompromisse machen also begleitet mich ein Norwid Skagerrak, handgelötetes 28-Zoll-Tourenrad aus Stahl mit einer Rohloff Nabenschaltung und BFO H2O Scheibenbremsen.

Bild 3
Die BFO H2O Scheibenbremse bringt Lukas Stahl sicher durch Südamerika.

BFO: Was hat dich dazu bewegt, durch Südamerika zu fahren?

Stahl: Die drei „K“: Kultur, Kommunikation und Klima. Trotz der romanischen Sprache und der europäischen Kolonisation unterscheidet sich die Kultur deutlich von unserer. Gleichzeitig ist die Sprache ein wesentliches Mittel, um ebendiese zu erleben. Wenn man sich bereits durch Französisch in der Schule gequält hat ist es ein Leichtes mit großer Motivation noch Spanisch zu lernen. Südamerika bietet sich außerdem an, die verschiedenen Klimazonen zu erfahren und zu sehen, wie die Menschen damit leben.

BFO: In welchen Ländern warst du bereits und wohin soll es als nächstes gehen?

Stahl: Bis jetzt war ich in Argentinien und Chile, es folgen auf jeden Fall noch Bolivien und Peru. Die Länder hier sind sehr sehr groß aber auch sehr vielfältig. Gelandet bin ich in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, dann habe ich zunächst einen Bus genommen und begonnen, mit dem Fahrrad die patagonische Steppe Argentiniens zu erfahren. Bis ans Ende der Welt zur Stadt Ushuaia hat mich nichts gezogen, also bin ich lediglich bis nach Puerto Natales in Chile gefahren. Dann lernte ich den feuchten Süden Chiles kennen, fuhr auf der Carretera Austral, wo es von Reiseradlern nur so wimmelt, zurück nach Norden. Machte noch einen kleinen Abstecher nach Argentinien um anschließend in Chile bis in die trockene Atacama-Wüste weiterzufahren. Erst bei San Pedro de Atacama fand ich einen Pass der trotz Winter nicht komplett geschlossen war um nochmal kurz nach Argentinien zu fahren bevor es weiter nach Norden also Bolivien und Peru geht.

BFO: Hast du deine Route vorher geplant oder fährst du einfach dort hin, wohin es dich treibt?

Stahl: Einen groben am Klima orientierten Plan habe ich schon. Der lautet in etwa so: von Süden nach Norden. Unsinnig wäre es, jetzt, also mitten im Winter durch Patagonien zu fahren. Die tatsächliche Route hingegen ist sehr spontan, geleitet von Empfehlungen jener denen ich begegne. Das bedeutet dann beispielsweise dass ich einen kleinen Umweg inklusive Berg fahre, weil mir kurz vor dem Abzweig ein LKW-Fahrer den ich aus seinem verriegelten Fahrzeug befreit hatte die Aussicht empfahl.

BFO: Fährst du alleine oder schließt du dich ab und zu anderen Reisenden an?

Stahl: Ich bin alleine gestartet, weil ich wusste, dass ich es alleine mit mir aushalte und nicht verrückt werde. Außerdem wollte mich keiner in meinem Freundeskreis begleiten – glaube ich zumindest. Ich habe jedoch keine Gelegenheit ausgelassen, in Gesellschaft zu fahren, wenn es sich ergab. Bereits nach wenigen Wochen auf dem Rad traf ich zufällig drei Argentinier und wir fuhren gemeinsam einige Tage gegen den Wind auf der Ruta 40. Auf der Carretera Austral war es nie ein Problem, Begleitung zu finden (siehe lukas-stahl.de/kaum-allein). Seitdem bin ich aber nicht mehr auf andere Radler gestoßen.

BFO: Was war bisher deine größte Herausforderung auf der Reise?

Stahl: Das war ohne Zweifel die Busfahrt von Buenos Aires nach Comodoro Rivadavia also das Überzeugen der Fahrer, mich mitsamt meinem Fahrrad im komplett ausgebuchten Bus mitzunehmen (siehe lukas-stahl.de/meistens-geradeaus). Ich hätte gedacht, dass mich die illegale Überquerung von Grenzen vor gewaltige Probleme stellen würde aber dabei habe ich mich einfach nicht erwischen lassen (siehe lukas-stahl.de/grenzerfahrungen).

Lukas Stahl

BFO: Welches Erlebnis ist dir bisher besonders in Erinnerung geblieben?

Stahl: So ziemlich alle Begegnungen mit den unterschiedlichen Menschen denen ich begegne werde ich nicht vergessen. Wohl nie werde ich mich an die Freundlichkeit und Gastfreundschaft gewöhnen mit dem sie mich immer wieder aufs Neue erstaunen und überraschen, gerade dann wenn ich es am wenigsten erwarte. Natürlich habe ich auch einen Ausländerbonus was das angeht aber ich glaube das es in Deutschland sehr unrealistisch ist zu einem reichhaltigen Essen eingeladen zu werden und obendrauf ein Zimmer mit Bett für eine Nacht beziehen darf nachdem ich lediglich um etwas Wasser gebeten hatte, Frühstück natürlich inklusive.

BFO: Vielen Dank für das Interview, Lukas. Wir wünschen dir weiterhin eine gute Reise und viele spannende Erfahrungen!

Stahl: Danke auch für das Interview!

Mehr Bilder und spannende Erlebnisse von seiner immer noch andauernden Reise beschreibt Lukas Stahl auf seinem Blog